#1 GEN-Technologie von Rolf 25.04.2011 04:43

Morbus Parkinson: Gentherapie ist Schein-OP überlegen
Manhasset – Die erste erfolgversprechende Gentherapie des Morbus Parkinson hat den Test einer randomisierten Phase-II-Studie bestanden. Nach den im Lancet Neurology (2011; doi: 10.1016/S1474-4422(11)70039-4) mitgeteilten Ergebnissen erholten sich die Patienten besser als nach einer Scheinoperation.

Für die Gentherapie wurden in einem stereotaktischen Eingriff adeno-assoziierte Viren (AAV) in den Nucleus subthalamicus injiziert. Sie gelten als harmlos. Bei der Therapie dienen als sie Genfähre. Sie infizieren die Hirnzellen und laden in ihnen ihre Genfracht ab.

Sie bestand in dem Gen für das Enzym Glutaminsäuredecarboxylase (GAD). Es produziert den Neurotransmitter Gamma-aminobuttersäure (GABA). Dieser Botenstoff hat eine inhibitorische Wirkung. Er soll einer Überaktivität im Nucleus subthalamicus entgegenwirken, zu der es beim Morbus Parkinson kommt.

Die Therapie war zunächst im Tiermodell erprobt worden. Vor vier Jahren hatte sie sich in einer offenen Phase-I-Dosisfindungsstudie als sicher erwiesen (Lancet 2007; 369: 2097-2105). Es gab auch Hinweise auf eine Wirksamkeit. Doch der Beweis durch eine Doppelblindstudie stand noch aus.

Der Hersteller Neurologix aus Fort Lee in New Jersey ließ deshalb an sieben US-Zentren eine Phase-II-Studie durchführen. Es beteiligten sich 45 Patienten mit Morbus Parkinson. Einschlusskriterium war ein Score von 25 oder mehr in der UPDRS (unified Parkinson’s disease rating scale), nachdem die Medikamente am Abend zuvor abgesetzt worden waren.

Alle Patienten wurden operiert, doch nur bei 23 Patienten wurde eine Gentherapie durchgeführt. Bei den anderen 22 Patienten verzichteten die Chirurgen auf eine Trepanation und das Einbringen der Gene. Den Patienten wurde lediglich eine Kochsalzlösung unter die Haut injiziert. Endpunkt der Studie war die Veränderung des UPDRS-Scores in den ersten sechs Monaten nach der Operation.

Wie Andrew Feigin vom Feinstein Institute for Medical Research in Manhasset im US-Staat New York und Mitarbeiter berichten, verbesserte sich der UPDRS-Score nach der Gentherapie um 8,1 Punkte oder um relativ 23,1 Prozent.

Nach der Scheinoperation kam es zu einer Verbesserung um 4,7 Punkte oder relativ 12,7 Prozent. Die Unterschiede waren über die gesamte Studiendauer von sechs Monaten signifikant. Bei einem Patienten kam es zu einer schweren Darmobstruktion, die die Forscher allerdings nicht mit der Therapie in Verbindung bringen.

Der Patient habe sich zudem vollständig erholt. Die Nebenwirkungen bestanden bei sieben Patienten in Kopfschmerzen (2 Patienten nach Scheinoperation) und bei sechs Patienten in Übelkeit (2 Patienten nach Scheinoperation).

Der Hersteller interpretiert die Ergebnisse als Erfolg. Er kündigte an, noch in diesem Jahr bei der Kontrollbehörde FDA einen Antrag auf eine Phase 3-Studie zu stellen. Der Kommentator Michael Hutchinson von der New York University School of Medicine ist zurückhaltender in der Beurteilung (2011; doi:10.1016/S1474- 4422(11)70041-2).
Er verweist darauf, dass die Gentherapie bei sechs der 22 Patienten nicht gelang, weil der Katheter nicht durchgängig war oder das Ziel verfehlt wurde. Diese Patienten wurden aus der Bewertung herausgenommen.

Die Autoren hatten in diesem Punkt von einer früheren Studie zu einer anderen Gentherapie gelernt. Dort war das Gen für Neurturin, einem Struktur-Analog des glial-derived neurotrophic factor (GDNF), in das Putamen eingebracht worden: Dies war bei 2 von 17 Patienten nicht gelungen. Die Patienten waren in die Auswertung einbezogen worden und das Gesamtergebnisse der im letzten Jahr publizierten Studie war negativ (Lancet Neurology 2010; 9: 1164-72).

Der wesentliche Einwand von Hutchinson betrifft allerdings die nicht bekannte Dauer der Wirkung und die Konkurrenz durch die tiefe Hirnstimulation. Dort sind die Verbesserungen im UPDRS laut Hutchinson doppelt so gut.

Die Hirnstimulation bessere allerdings nicht alle Symptome. So werde das „freezing“ kaum beeinflusst. Hier könnte die Gentherapie vorteilhaft sein. Doch die Autoren der aktuellen Studie haben zu dieser Frage keine detaillierten Ergebnisse vorgelegt.

© rme/aerzteblatt.de

#2 RE: GEN-Technologie von gnagflow 25.04.2011 10:53

Wahnsinnig interessant, hoffe dass diese Therapie weiter verfolgt wird, habe zwar außer meinem Tremor keine anderen Symptome und kann gut damit leben. Für den Fall einer Verschlechterung im Alter ist mir sowas lieber, wie eine Pumpe oder eine Sonde im Hirn.

lg Wolfgang

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