#1 Frust und Verzweiflung von Shirly 22.08.2014 15:12

Ist es nicht so, dass sich krankheitsbedingt, mehr oder weniger öfter ein Frustgedanke bei uns einschleicht, welcher uns dann meist verzweifeln lässt. Je nach Fortschritt der Krankheit ist es bei dem einen nur ein zeitlich kurzer Durchhänger, bei dem anderen kann es vorrübergehend belastend werden oder im schlimmsten Fall zu längerfristigen psychischen Störungen führen oder gar zum totalen Crash.

Was tun, wenn es einen gerade über eine Selbsthilfegruppe gewonnenen Freund trifft, den man aber auf Grund der Entfernung noch niemals persönlich getroffen, sondern lediglich über mails korrespondiert hat. Mit dem man auf Grund gemeinsamer Interessen schon viele Gedanken ausgetauscht hat und man beidseitig festgestellt hat, dass die Chemie passt. Wo es noch keinen Anlass gab, großartig über die Familie zu sprechen und schon gar nicht über private Probleme, die sich aber in den letzten Wochen schon abzeichneten.

Plötzlich sagt er, „sein ganzes Leben geht dem Bach runter“. Für einen (derzeit noch!) stabilen Menschen wie mich, ist das kaum vorstellbar, obwohl ich das schon mal bei einer Nichte (gerade mal 20 Jahre) erlebt habe.

Ich habe mir überlegt, was mir passieren müsste, um eine derart schwerwiegende Aussage zu treffen.

Mein ganzes Leben bedeutet für mich, ohne jetzt großartig über Vollständigkeit nachzudenken:
1. Meine Person (Charakter, Talente, Erscheinung) im Zusammenhang mit
2. Partnerschaft
3. Familienangehörige im engeren und weiterem Sinne
4. Freunde und Bekannte
5. Gesundheit
6. Beruf
7. Hobbys und die damit verbundenen Freizeitaktivitäten
8. Geographische Lage (Heimat)
9. Lebensstandard verbunden mit Wohnqualität

Es gibt da von I. Brantsch einen Spruch: "Das Wasser fließt dorthin, wo es keinen Widerstand gibt. Deshalb geht ohne Widerstand alles den Bach runter."

Ich frage mich, kann man wirklich so plötzlich den ganzen Halt verlieren, sodass man ohne professionelle Hilfe nicht mehr weiter kommt. Es muss doch einen (mehrere) Anker in meinem 9 Punkte-System geben, der einem hält. Ich hoffe, dass ich nie in diese Lage kommen werde.

Als ich meine Diagnose erhielt, war ich überrascht, als der Arzt mir sagte, Sie haben MP und nichts Schlimmeres. Da dachte ich mir auch momentan die Welt bricht zusammen und wie kommt der Arzt dazu, diese Krankheit so zu verharmlosen. Aber als ich folgenden Spruch las, war mit klar, was er damit sagen wollte.

"Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich jemand traf, der keine Füße hatte". Qu. Helen Keller

Und wenn es einen Tag gibt, wo ich über meine Krankheit sehr beunruhigt bin und ich eine Verschlechterung verspüre, dann tröste ich mich mit dem Satz:
Vergiss niemals die Zeit Deiner Krankheit‘! So gesund wie heute wärst Du damals der glücklichste Mensch der Welt gewesen: (Rainer Haak)

Jeder Mensch versucht auf seine Weise mit dem Schicksal irgendwie klar zu kommen. Glücklich jene, die es möglichst ohne Frust und Verzweiflung schaffen!

Shirly

Ich musste meine Gedankengänge jetzt einfach an einer Stelle festhalten, wo die Leser Verständnis für die Krankheit und auch für gewisse Situationen haben.

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